© Haiku ~ Senryu von Hans Jürgen Sobota

 

 

In den Stromschnellen

verschwindet der Himmel

 

Gleichmäßig prasseln

die Eicheln

auf meinen Regenschirm

 

Sonne und kalter Dunst

 

Der Schmetterling umtaumelt

 

verwelkende Blüten

 

 

In der Wüste der Turnhalle

 

ein letzter Schneider

 

Kinderfest

 

 

Im Federzelt

 

des Falken

 

ein letzter Schrei

 

 

Die Kiefern schmeißen mit Schneebällen

 

253 Km Stau

 

Im Sommerlicht

 

wird der Schatten der Türklinke

 

zum Golfschläger

 

 

 

Dezembersonne

 

Eine Wespe fliegt über Schnee

 

und dampfende Dächer

 

 

 

Sonne vorm Dojang

 

schneeweiße Doboks

 

vor buntem Laub

 

 

Nachts im Hohlweg

 

S.O.S...S.O.S

 

Glühwürmchen heiraten

 

 

 

Trommeln..., der Regen.

 

Lauthals singen die Amseln.

 

Beifall rauscht..., der Bach.

 

Mittsommernachtstag

 

Mittags Nacht, Hagelböen

 

Beindicke Blitze

 

 

Wolkengebirge

 

Ruhig kreist der Bussard

 

Bis der Nacken schmerzt

 

 

 

Frisches Grün, rundum.

 

Es raschelt auf dem Pflaster.

 

Vertrocknet, das Blatt.

 

Unter dem Kirschbaum

 

im rosaroten Pelzkleid

 

lauert das Auto

 

 

Senkrecht der Regen.

 

Wer wirft denn da Diamanten?

 

Auf’s nasse Pflaster.

 

 

 

 

Im Morgengrauen

 

flutet der Gesang der Amseln

 

von Ost nach West

 

Fußschmal ist der Bach

 

Die gründelnden Stockenten

 

schwimmen wie Nessie

 

 

 

 

 

Durch Mark und Knochen

 

quer über den Wasserstein

 

knirscht leis das Hocho

 

 

 

 

Hocho = Extrem scharfes japanisches Küchenmesser

 

 

Warm der Sonnenstrahl

 

Es sträubt sein seidiges Fell

 

Das Weidenkätzchen

 

 

 

Weißer Atemhauch

 

überm Zaun, im Sonnenschein

 

Der Tanz der Mücken

 

 

 

 

Heller Sonnenschein

 

leicht rudert der Graureiher

 

durch die eisige Luft

 

 

Verschneit der Brunnen

 

an der Eisglocke über der Fontäne

 

prallt die Drossel ab

 

 

Schmerz in den Zehen

 

zurück unter die Decke

 

tatsächlich Winter

 

Nebel, Sonne, Stille

 

der Kathedrale Pfeiler

 

die bunten Bäume

 

Gleißender Vollmond

 

Scherenschnitte der Bäume

 

auf dem Waldboden

 

 

Im Herbstferienhaus

 

Das halbe Dach ist aus Glas

 

Himmel, Tag und Nacht

 

 

Die Elstern sitzen

 

auf den liegenden Rindern

 

und picken, Afrika?

 

Aufragend der Wald,

 

in der stillen grünen Wand

 

ein Blatt, es zittert.

 

 

Der Wassertropfen

 

spiegelt den blauen Himmel

 

genau wie der See

 

 

Laut, tock,  tock, tock, klopfts

 

Borke fällt mir auf den Kopf

 

der Schwarzspecht arbeitet

 

 

Murmelnde Hexe

 

Du hebst die Augenbraue

 

Die Hexe kichert

 

Im stillen Morgennebel

 

schimmern silbern die Spinnennetze

 

verblassend im Sonnenschein

 

 

Rot und schwarz glänzen die Brombeeren

 

grüngoldene Fliegen mit roten Augen

 

spiegeln am warmen Hang das Sonnenlicht

 

Allein stand das verdreckte Kalb

 

muhend naht die weiße Herde es sacht umschmiegend

 

Tod fällt es für immer

 

 

 

Im Tunnel auf mich zu

 

zieht der knurrende Kampfhund die Frau

 

Hast du Angst?, fragt sie , ihn

 

 

Rabe im Steigflug wie Sturzflug

 

fast überschlägt sich rückwärts

 

der schwebende Bussard

 

© Haiku ~ Senryu von Hans Jürgen Sobota

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