Grundlagenwissen TAEKWON-DO Schrift Nr. 02  

von Hans Jürgen Sobota für

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

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ENTWICKLUNG DES HEUTIGEN TAEKWON-DO

 

Zur vollständigen Geschichte des "modernen" Taekwon-Do (Taekwondo) gibt es meines Wissens keine Bücher oder Unterlagen.

Die hier von mir, so objektiv wie mir möglich, niedergeschriebenen Daten sind zu einem Teil aus vielen Büchern gesammelt oder beruhen auf Erzählungen älterer Dan-Träger der verschiedenen Stilrichtungen.

Also bei Zweifeln Ihrerseits, glauben Sie nichts, forschen Sie selbst.

Sehr wertvoll waren mir Bücher von europäischen Historikern ohne Bezug zur Kampfkunst.

Das oft verwendete Wort "Traditionell" hat übrigens fast keine Bedeutung, es deutet im heutigen Sprachgebrauch nur an, daß man eine Sache am Vortag schon einmal versucht hat.

 

1910 

Korea ist  endgültig von Japan einverleibt worden.

Koreanische Kultur  (Schrift, Sprache usw.) sind unterdrückt.

( mehr unter Spezialwissen zu den Hyong  Nr. 3 und Hyong Nr. 6 )

 

1918

Am 9. November 1918 wird der „Begründer“ des Taekwon-Do der spätere General Choi. Hong Hi in Ha Dae im heutigen Nordkorea geboren.

 

1930

Taek-Kyon soll Choi Hong Hi schon in früher Jugend von seinem Kaligraphielehrer Han Il Dong gelernt haben. Es gibt Quellen die behaupten er soll im Taek-Kyon bereits mit 12 Jahren den 1. Dan erreicht haben, obwohl es meines Wissens im Taek-kyon gar kein Graduierungssystem gab.

 

ca. 1938 - 1945 

Choi Hong Hi wird in Japan im japanischen Karate ausgebildet.

Nach 2 Jahren bekommt er den 1. Dan in Karate.

Er erreicht den 2. Dan im Karate, diese Angabe entspricht seiner eigenen Aussage.

 

1945 - 1955

Choi Hong Hi leistet die Grundlagenarbeit, durch die seine erste Stilrichtung „Chang Ho Yo“,  Grundlage für das spätere Taekwon-Do entsteht und etwa ab 1948 in Teilen der koreanischen Armee Ausbildungsbestandteil, später dann Pflichtausbildung  in der ganzen südkoreanischen Armee wird.

Taekwon-Do wird auch Ausbildungsbestandteil der amerikanischen Militärpolizei in Seoul.

 

Vor 1955

Viele  verschiedene Stilrichtungen unter den verschiedensten chinesischen oder koreanischen Namen. Aber fast alle koreanischen Kwan-Begründer im japanischen Karate ausgebildet.

 

1955

In Süd-Korea wird am 11. April 1955 die neue kriegerische Kunst  mit dem Namen "Taekwon-Do"  offiziell gegründet. Der Begriff Taekwon-Do wird aber erst einmal hauptsächlich nur beim Militär verwendet. Der allgemeine Verband benutzt den Namen Tae Soo Do.

Choi Hong Hi vereinigt „zwangsweise“ alle Meister der Kampfkünste im neuen Verband, wer auf seiner Stilrichtung beharrte mußte gehen.

Siehe auch „Spezialwissen zur 7. Hyong“ und „Wie der Name Taekwon-Do entstand“

 

 

1959

Beginn der Ausbreitung des Taekwon-Do über die gesamte Welt.

Südkoreanische Meister beginnen auch in der BRD zu unterrichten.

 

1961

Am 16. Mai 1961 Militärputsch in Südkorea unter Führung von Park. Chun Hee.

Die KTA (Korean TKD Association) wird als Verband registriert.

 

1962

Erste offizielle Teilnahme des Taekwon-Do während der nationalen Spiele in Süd-Korea.

Während seiner Zeit als koreanischer Botschafter in Malaysia (ca. 1962 bis 1965) vollendet Choi Hong Hi seine ersten 20 Hyong. Während der Abwesenheit von Choi. Hong Hi wird der Name "Korean Taekwon-Do Association"  in "Korean Tae Soo Do Association" geändert.

 

1965

Oktober 1965 „Beginn des Taekwon-Do in der Bundesrepublik“ nach Besuch Choi. Hong Hi mit einem Demonstrationsteams ...(Han. Cha Kyo 6. Dan, Kwon. Jae Hwa 5. Dan, Kum. Jun Kun 5. Dan, Park.Jomg Soo 5.Dan).

Choi. Hon Hi setzt durch das der Name "Korean Tae Soo Do Association" wieder in "Korean Taekwon-Do Association" geändert wird.

General Park. Chun Hee erklärt Taekwon-Do zum koreanischen Nationalsport.

Von einem KTA-Poomse-Komitee werden in Süd-Korea innerhalb von zwei Jahren acht Palgwe und acht Yudana-Formen entwickelt und ab 30.11.1967 in den Kwans der KTA gelehrt.

Siehe dazu auch unter 1969.

Siehe auch Taekwon-Do und Geschichte  KKuT11  “Die Entstehung der Poomse“

 

1966

Am 22. März 1966 Gründung der ITF (International Taekwon-Do Federation) in Seoul.

Kampfsystem : ohne Kontakt, ab 1974 Semi-Kontakt.

Gründungsmitglieder: Aus Korea, Deutschland, Italien, Türkei, Malaysia, Vietnam, Singapur, Arabien, USA. Präsident Choi Hong Hi.

Mai 1966 Kwon. Jae Hwa, noch ITF, gibt Unterricht in München in der Kampfsportschule von  Carl Wiedmeier

 

1967

Gründung des Deutschen Taekwondo-Verbandes mit Ausrichtung der 1. Deutschen Taekwondo-Meisterschaft.

 

1968

Ein Teil der Taekwon-Do Sportler (Südwestdeutsche Taekwondo-Verband) in der BRD organisieren sich als Sektion Taekwon-Do des Deutschen Judo Bundes und richten ebenfalls eine Deutsche Meisterschaft aus.

 

1969

Der letzte Teil des Formensystem der 1973 gegründeten WTF, die Taeguk Poomse, wird am  30.01.1969 erstmals von den drei Großmeistern Park - Hae - Man /  Nam - Suklee- Uoon / Um Yoon - Jick Ro der Korea Taekwondo Assicoation (KTA) vorgestellt

 

1971

Am 29. Oktober 1971 wird Heinz Marx Bundesvorsitzender der Sektion Taekwon-Do im Deutschen Judo Bund.

Kwon. Jae Hwa wird nach Kim. Jang II neuer Bundestrainer.

 

 

 

1972 ( Siehe auch Spezialwissen zur 7. Hyong)

Wegen innenpolitischer Streitigkeiten in Süd-Korea verlegt General Choi Hong Hi den Sitz der ITF nach Toronto in Kanada. Er beginnt die Reform seines Taekwon-Do.

Ein Stichwort dazu „30 Jahre Korruption ~ Herrschaft der Generäle“, siehe auch unter 1961

 

1973

Am 28. Mai 1973 Gründung der WTF (World Taekwondo Federation).

Kampfsystem : Vollkontakt (Westenkampf ohne Faust zum Kopf).

In Süd-Korea erfolgt die Umstellung der Formen von Hyong auf Poomse

Die Poomse wird in aller Welt verbreitet.

Heinz Marx vom Südwestdeutschen Taekwondo-Verband im DJB wird Exekutiv Member des neuen Weltverbandes, das genaue Datum ist mir nicht bekannt.

 

1980

Die WTF wird als Weltfachverband Taekwondo vom IOC anerkannt.

 

1981

Die Sektion Taekwon-Do des Deutschen Judo Bundes gründet die DTU

(Deutsche Taekwondo Union) .

Von der ITF Germany (koreanisch gelenkt) spalten sich unter der Führung koreanischer Meister weitere Taekwondoin ab und gründen den DTB (Deutschen Taekwondo Bund) um sowohl von der ITF als auch von der WTF unabhängig zu sein.

Choi Hong Hi macht sein reformiertes Taekwon-Do in  Nordkorea bekannt.

 

1982

Die DTU wird Mitglied im DSB (Deutschen Sport Bund).

Im August 1982 wird die ITF-D (ITF-Deutschland) gegründet

 

1983

Das Hauptbüro der ITF wird  nach Wien verlegt.

 

1988

Taekwondo ist erstmals Demonstrationswettbewerb bei den Olympischen Spielen in Süd-Korea.

 

1994

Das Taekwondo der WTF (Westen-Vollkontakt-Wettkampf) soll im Jahr 2000 erstmals Voll-Olympisch werden.

 

1995

Nach meiner persönlichen Bewertung praktiziert in Deutschland, verbandsübergreifend gesehen, die Mehrheit der Taekwondoin das erste Formensystem des Choi Hong Hi / Taekwon-Do, die Hyong.

Auf Wunsch einiger „Deutscher Verbandsfunktionäre“ und folgendem Druck der WTF (Südkorea) werden die bisher in der DTU gleichberechtigten Hyong-Taekwondo(ka) von der DTU gezwungen das Formensystem Poomse zu übernehmen oder aus der DTU auszuscheiden.

Es gehen etwa 5000 Hyong-Taekwondoin in bestehende kleine Verbände und einige Vereine gründen neue Verbände.

Selbstverständlich darf man in den DTU-Verbänden und Vereinen weiterhin das Formensystem Hyong zum privaten Vergnügen praktizieren.

Prüfungen sind laut Prüfungsordnung allerdings nur im Formensystem Poomse möglich.

 

2000

Für die mehreren tausend 1995 unnötig vertriebenen Hyong-Taekwondoin erntet die DTU den Lohn, drei Sportler der DTU (Fadime Helvacioglu - 49 kg - ausgeschieden, Faissal Ebnoutalib - 80 kg - Silbermedaille, Aziz Acharki - 68kg - sechste Platz)  dürfen zur Olympiade.

 

Ansonsten immer das gleiche: Zank-Streit-Waffenstillstand-Zank-Streit-Waffenstillstand

Zum Beispiel in der DTU, auf allen Funktionärsebenen, ITF und andere Verbände entsprechend.

Mein Standpunkt: Sobald Ego-Probleme verhandelt werden sollte man gehen.

 

2000

Damit gibt es in Deutschland :

 

-die DTU (mit ca. 50000 Mitgliedern) die sich auf dem Weg  zum reinen kommerziellen Hochleistungsport befindet. Das Kampfsystem Vollkontakt-Westenkampf hat sich zur einer modernen Form des alten koreanischen Fußkampfes Taek-Kyon zurückentwickelt,  leider ohne dessen Technikvielfalt. Fallschule, Hebel, Würfe, Fußfeger, asiatische erste Hilfe, usw. sind den meisten Taekwondoin der DTU unbekannt.

 

-die ITF-D mit ca. 4000 Mitgliedern die (meinem Eindruck nach) einen ähnlichen sportlichen Weg mit einem anderen Kampfsystem beschreiten möchte. Auch hier ist das Niveau sehr unterschiedlich.

 

-Weitere  zahllose Verbände (DTB, TTV, ITTV, Kwon, u.s.w.) mit 500 bis 3000 Mitgliedern, die aus den verschiedensten Gründen (und zum Teil aus durchaus ehrenwerten Motiven) für sich arbeiten.

 

-Weitere  zahllose Vereine mit hohen Danträgern mit bis zu 500 Mitgliedern, die aus den verschiedensten Gründen (und zum Teil aus durchaus ehrenwerten Motiven) für sich arbeiten.

 

In allen beschrieben Bereichen ist ein höchst unterschiedlicher Wissen- und Könnenstand vorzufinden.

 

2002

General Choi Hong Hi

Begründer des traditionellen Taekwon-Do am 11. April 1955 in Südkorea

stirbt mit 83 Jahren in Nordkorea.

 

Choi Hong Hi

« 9. November 1918  -  V  15. Juni 2002

 

Im Jahre 2002 besuchten fremde „Traditionelle Taekwon-Do“ Meister 1. Dan meine Übungsstunden.

Sie konnten meinen kompletten Unterricht mitmachen.

Ihre Meister hatten ihnen, Fallschule, Würfe, Fußfeger und sämtliche Vierseitengrundschulen bis zur neunten Form beigebracht. Sie kannten die Deutungen der Techniken in den Formen.

Und ich hatte die Bestätigung daß es alles was es im Taekwondo angeblich nicht gibt und ich mir selbst ausdenken mußte immer gegeben hat.

 

2003

Nach dem Tod von Choi Hong Hi  9. Dan Taekwon-Do gibt es nun  drei  ITF Weltverbände.

Seine alte ITF, den ITF Verband seines verstoßenen Sohnes und ein während der Beerdigung von Choi, unter dubiosen Umständen, in Nordkorea gewählten neuen Präsidenten einer weiteren ITF.

 

2004

Der südkoreanische Präsident der WTF  und IOC-Vizepräsident Kim Un-Yong 10. Dan Taekwondo muß wegen Korruption und Veruntreuung von 559.000 Euro für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Nach der Verurteilung droht Kim nun der endgültige Ausschluss aus dem IOC, das ihn bereits vorläufig seiner Rechte und Funktionen enthoben hatte.
(Der Vorsitzende Richter erklärte die Milde des Strafmaßes mit Kims hohem Alter, seiner Reue und seinem "Beitrag zur weltweiten Entwicklung der nationalen Sportart Taekwondo". Das Gericht wies Kim außerdem an, 788 Millionen Won zurückzuzahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor sieben Jahre Haft gefordert. Das Anwaltsteam von Kim kündigte Berufung gegen das Urteil an. Südkoreas international bekanntester Sportfunktionär war im Januar verhaftet worden. Zuvor hatte er sein Abgeordnetenmandat niedergelegt und war als Vorsitzender des Taekwondo-Weltverbandes zurückgetreten)  .

Quelle: Spiegel-Online 3.06.2004

Anmerkung 2005.....Das Urteil wurde bestätigt, die Berufung verworfen...8.2005 inzwischen hat es eine Amnestie gegeben.....

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Wen Hintergründe interessieren oder wer genauer wissen will warum erst die ITF und später die WTF gegründet wurde (oder kurz warum Taekwondo, wie auch fast alle anderen Kampfkünste, so zersplittert ist) kann Literaturhinweise bei mir abfragen.

 

Beim Taekwondo geht es hierbei um ein sehr trauriges Kapitel südkoreanischer Innenpolitik.

Natürlich in Wechselwirkung mit dem Nordkorea Problem und der Weltpolitik im Zeichen des kalten Krieges.

Es zeigt sich ein Abbild der koreanischen Entwicklung und Denkart nach der Befreiung von Japan und das daraus resultierende Handeln auch in der „Entwicklung?“ der Taekwondo-Stilrichtungen.

 

Zusammenfassend sei gesagt :

Durch den Koreakrieg und noch mehr durch das von fehlinterpretierten neukonfuzianischem Denken geprägte Handeln der Koreaner sind die zu erreichenden Ideale (wie man sie auch immer für sich bewertet), die vielfältigen Techniken des ursprünglich konzipierten Taekwondo und zahlreiche kompetente  Persönlichkeiten für diese Kampfkunst verlorengegangen.

 

Ich persönlich versuche die erste Stilrichtung des Choi Hong Hi -Taekwon-Do zu lernen und zu lehren, denn sie ist für alle Altersgruppen in geistiger wie körperlicher Hinsicht, mit Bedacht ausgeübt, uneingeschränkt geeignet.

Es gibt noch ältere vom chinesischen Einfluß geprägte Stilrichtungen des Tang Soo Do (bedeutet auf chinesisch Taekwondo) die lange vor Choi Hong Hi gelehrt wurden und aus denen auch die Urstile des Karate auf Okinawa hervorgegangen sein sollen.

Ob das so stimmt müssen Sie selbst herausfinden.

 

Sie werden verstehen, daß ich keine Lust mehr habe die klägliche Geschichte des Taekwon-Do und des Taekwondo weiter aufzuschreiben.

 

 

Ich bitte um Verständnis, das hier ist eine tabellarische Kurzübersicht,

wenn auch mit einer persönlichen Abschlußbewertung.

Behindert durch meine mangelhaften fremdsprachlichen Kenntnisse,

und

wie auch in europäischer Geschichte über Jahrtausende praktiziert,

behindert durch geschönte Quellen mit vielen Unwahrheiten.

 

Also keine Garantie bei den älteren Daten.

 

Grundlagenwissen TAEKWON-DO Schrift Nr. 02  

von Hans Jürgen Sobota

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

Erstfassung: 2.1992 letzte Stand 3.2005

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