Grundlagenwissen TAEKWON-DO Schrift Nr. 11   von Hans Jürgen Sobota

für

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

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KIHAB          (SCHREI)

 

 

 

SEITE

INHALT

1

Definitionen

1

Wie ?, Warum ?

2

Weshalb ?, Welcher ?

3

Hinweise zur Atemtechnik

4

Atemtechnik für Taekwondolehrer

 

 

 

DEFINITIONEN

Aktion

=

Schlag, Tritt, Stoß, Block usw.

Schrei

=

Ausatmen mit Geräusch, um hohe und kontrollierte Austrittsgeschwindigkeit der Luft zu erzielen.

Richtiges Atmen

=

Damit ist selbstverständlich ein der jeweiligen Situation angemessene Atmen gemeint. Wenn man sich versteckt kann auch flaches Atmen richtig sein.

* siehe auch unter Hinweise/Anmerkung

Kihab

=

(Schrei)   = Ki (Kraft) und  Hap (Konzentration)

 

 

Wie ?

 

Vor jeder Aktion muß man eingeatmet haben.

 

Während der Aktion sollte scharf ausgeatmet (oder durch einen Schrei ausgeatmet) werden.

 

Bei Ende des  Ausatmens oder des Schreies sollten noch etwa 30 % Luft des normalen Atemvolumens in der Lunge sein.

 

 

Warum ?

 

Der Kampfschrei verleiht der Aktion größere Kraft, Geschwindigkeit und  Dynamik.

 

Der Kampfschrei stellt eine Atemübung dar, denn er erzwingt automatisch richtiges Atmen über das Zwerchfell.

 

Zumindest das Ausatmen erfolgt als fast reine Zwerchfellatmung (Bauchatmung) mit all ihren Vorteilen.

 

Der Kampfschrei dient dem Schutz des eigenen Körpers.

Die Luft die aus dem Körper herausgestoßen wird, kann nicht bei einem gleichzeitigen Gegentreffer im Bauch oder Brustbereich zusammengepreßt werden und innere Verletzungen hervorrufen.

 

Der Kampfschrei vor oder während einer Aktion, läßt die Aktion selbst reflexhaft starten, daß heißt um Zeitverlust zu vermeiden wird kurzfristig jedes Denken ausgeschaltet.

 

WESHALB    ?

 

Um das eigene Gehirn z.B. durch einen Kampfschrei vor der eigentlichen Aktion frei von Störfaktoren zu halten.  Störfaktoren sind unter anderem Selbstzweifel, Angst, Unsicherheit usw. die ausgelöst werden können durch Gedanken wie :

 

Das Brett ist zu dick.

Alle schauen auf mich.

Was ist wenn mein Gegner kontert.

Ich beherrsche die Technik noch nicht.

Ich habe Angst.

 

Man kann den Kampfschrei benutzen um :

 

eine eigene Schwächeperioden zu tarnen.

den Gegner zu täuschen.

den Gegner zu verunsichern.

den Gegner in extremen Fällen sogar zu demoralisieren.

 

 

 WELCHER ?

 

Ich unterscheide zwischen drei Varianten des Kampfschreis:

Den a) normalen   b) den starken  c) den tiefen Kampfschrei.

Diese unterliegen aber alle den  gleichen Prinzipien

 

Welchen Schrei Sie im Ernstfall benutzen entscheiden nur Sie allein.

Allerdings ist ein Schrei kein gerufenes Wort (siehe auch Definitionen).

Auch wenn Sie sich Anfangs scheuen bei Aktionen mit einem Schrei zu arbeiten, Sie werden sehen das Ihr Schrei oder Kampfschrei Ihnen richtig angewendet eine große Hilfe bei Bruchtest, Sparring, Wettkampf oder auch Einschrittsparring sein kann. Scheuen Sie sich nicht ihn anzuwenden. Anfangs lieber einmal zu viel als gar nicht. Achten Sie allerdings beim Training darauf ob Ihr Trainer den Gebrauch des Kampfschreies freigegeben hat, es könnten ja mehrere Gruppen in einer Halle trainieren, die sich nicht gegenseitig stören sollen.

Es sollte noch erwähnt sein, daß in vielen Vereinen bei bestimmten Übungen nicht der persönliche Kampfschrei, sondern für alle der gleiche Laut beim Ausatmen vorgeschrieben ist. Oft Io,Ya,Uss,

Ass, Iss,  oder ähnliche.

 

a) Normaler Kampfschrei (Bei mir der Laut „he“) er schont die Stimmbänder, ist vom Ton her klar und erhält die Harmonie schneller Bewegungsfolgen und verbraucht kaum Energie.

 

b) Starker Kampfschrei (bei mir der Laut „Ih-ja“) er wird an bestimmten Eckpunkten benutzt, am Ende einer Form, bei einer Schwäche in der Form, am Anfang des Sparrings , also immer dann wenn etwas mehr Ki benötigt wird.

 

c) Tiefer Kampfschrei (ein dröhnender gewaltiger Ton - gespeichertes Ki - aus dem Unterbauch gekoppelt mit einem Schrei). Er läßt Dich erschauern, frieren , er macht Dich Schmerzfrei, unbeschreiblich. Mit diesem Schrei darf man nicht herumspielen, er greift tief in den Hormonhaushalt des Körpers ein, er beansprucht das Herz. (Herzkranke dürfen das nicht probieren). Physiologische  Zusammenhänge (Adrenalinausstoß, Noradrenalin, Cortisone, usw.)  können bei mir abgefragt werden. Asiatische Sichtweise  (Atmung und Energie, usw.) können bei mir abgefragt werden.

 

HINWEISE ZUR ATEMTECHNIK

 

Atemtechnik im Ruhezustand :

 

Beruflich oder aber auch erziehungsbedingt atmen viele Menschen nicht mehr richtig.

Die beste Art zu Atmen entspricht der natürlichen und ursprünglichen Atmung über das Zwerchfell, auch Bauchatmung genannt. 

Nicht nur in den fernöstlichen Lehren wird das Zwerchfell als der eigentliche Kraftquell und Kraftschwerpunkt des Menschen gesehen.

 

Nachfolgend eine kleine Anleitung zum entspannten und richtigen Atmen :

 

Legen Sie sich  auf den Rücken und entspannen Sie sich.

 

Beginne Sie mit einem kräftigen Ausatmen. (Raus mit dem Dreck)

 

Während Sie ohne Anstrengung einatmen legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch die andere auf Ihre Brust. Beim Einatmen sollte sich zuerst die Hand auf Ihrem Bauch und später die auf Ihrer Brust heben.

 

Gelingt das nicht, folgender kleiner Trick als Hilfe :

Atmen Sie durch die Nase so ein, als ob Sie ein leckeres Essen erschnüffeln wollen und schon wird sich Ihre Bauchdecke richtig (zwar im Schnüffelrhythmus) vor der Brust anheben. Nun müßten Sie wissen was mit Bauchatmung gemeint ist. 

 

Atmen Sie langsam ohne Anstrengung aus, lassen Sie die Luft, am besten mit einem kleinen Seufzer, aus sich herausströmen.

 

Nun folgt eine Atempause, das heißt nicht, daß Sie den Atem anhalten sollen, sondern daß Sie Wiedereinatmen wenn der Körper es will.

 

                  

Atemtechnik während des Sparrings oder Wettkampfes :

 

Nicht während einer eigenen Aktion einatmen.

 

Versteckt atmen, um dem Gegner nicht den eigenen momentanen Leistungsstand zu verraten.

 

Eventuell nach Aktionen bewußt laut und schwer atmen, um Erschöpfung vorzutäuschen. 

 

Ökonomisch atmen, (mit oder im Bewegungsrhythmus atmen) um Kraft zu sparen.

 

Aktive Atemkontrolle, um nach Belastung in kurzer Zeit durch bewußtes Bewegen und Atmen wieder in einen ruhigen und kraftsparenden Atemrhythmus zu kommen.

 

* Anmerkung zu Richtiges Atmen oder Atemtechnik Dogmen

Nun aber habe ich ursprünglich, vor langer Zeit, beim Taekwondo gelernt nicht durch den Mund sondern bei fest geschlossenem Mund zischend über die Nase auszuatmen. Das hörte sich dann beim Formenlaufen wie eine alte Dampfmaschine an und führte bei Erkältungen zu unappetitlichen Flecken auf Fußboden oder Dobok. Manche TaekwondoKa bekamen sogar Nasenbluten durch die extreme Luftgeschwindigkeit in der Nase.

Allerdings kam es den Zischgeräuschen in diversen Karatefilmen befriedigend nahe.

War diese Atmung nun falsch ?

Bei einem echten Kampf kann diese Aus-Atmung durchaus richtig sein.

Wenn ich mit dem Risiko kämpfe z.B. im Infight einen Schlag auf die Zähne zu bekommen ist diese Art der Atmung besser, denn geschlossene Zahnreihen halten mehr Druck aus als einzelne Zähne bei geöffnetem Mund. Zu deutsch: Das Risiko Zähne durch Schlagwirkung zu verlieren ist geringer. Allerdings empfehle ich diese Art des Aus-Atmen nicht im alltäglichen Training.

 

 

Atemtechnik für Taekwondolehrer :

 

Einleitend möchte ich bemerken:

Die folgenden Erläuterungen können nur ein schwacher Ersatz für eine Vorführung der Möglichkeiten von Atmung und Stimme sein.

Es gibt allerdings seit geraumer Zeit Schulen in denen man richtiges Atmen erlernen kann.

Anderseits bedeutet selber raus finden einen längeren Weg, der aber der kürzere sein kann.

Richtiges Atmen ist zum Beispiel auch gute Rückenschule.

 

Ich  benutze ab hier den Ausdruck Stimme, meine aber Lautbildung oder Sprache verbunden mit dem Einsatz von Atemtechnik aus dem Bauch.

 

Der Taekwondolehrer:

 

+      Synchronisiert mit seiner Stimme die Aktionen der Gruppe. Er gibt beispielsweise in der Grundschule den Takt und bei der Hyong den Rhythmus an. (Man denke  an den „Kampf-Rhythmus“ in Formen. Zum Beispiel in der fünften Form Yul Gok Hyong, die Folge  „Kolchyo Makki---Kolchyo Makki-Chongkwon Chungdan Chirugi)

 

+      Kann mit seiner Stimme und Gestaltung des Taktes KI auf die Gruppe übertragen „Fördern“, wenn er will. Er kann dabei sogar zielgenau einzelne schwächere Mitglieder der Gruppe ohne direkte Ansprache stärken.

 

+      Kann mit seiner Stimme KI aus der Gruppe nehmen „Schwächen“, wenn er will. Hierzu gibt es verschiedenen grundsätzliche psychologische Überlegungen, die jeder Lehrer entsprechend seiner Persönlichkeitsstruktur selbst hinterfragen muß. Ich mache das nur noch zur Demonstration.

 

 

Wenn die eigene Stimme soweit geschult ist, das ich die oben genannten Punkte mühelos ohne jede Anstrengung erfüllen kann und dabei in der Lage bin die Halle bis in den letzten Winkel mit der klaren sauberen Stimme zu erfüllen brauche ich mein eigenes KI nicht mehr anzutasten.

 

Wenn es mir gelingt den Taekwondoin diese Art der Stimmbeherrschung auch nur in Ansätzen zu vermitteln (das heißt bei Anfängern über Kampfschrei), füllt sich das Training mit brausendem Leben. Das schönste ist, ich selbst bekomme zurück. Den nun erfolgt ein KI Austausch zwischen allen Teilnehmern und damit zwangsläufig auch zu mir.

 

Nachteilig oder Menschlich?

In einer auf diese Art sich durch mich eng verbindenden Gruppe werden allerdings zwangläufig alle Mitglieder berührt, wenn zu Beispiel ein Gruppenmitglied stirbt.

 

Viele Taekwondo-Trainer vor allen Dingen Koreaner finden unser „Gebrüll“ disharmonisch und unästhetisch. Das geht soweit, das unter dem Argument „Versteckt Atmen“ bei ihnen überhaupt nicht mehr richtig geatmet wird. (Selbst gesehen, Formen laufen mit Luftanhalten)

Ich entgegne: Wir sind Europäer das heißt im materiellen Pol verhaftet.

Eine Möglichkeit Harmonie = Zusammenklingen zu schaffen und seine Mitte zu finden bedeutet ATEMTECHNIK.

 

Ich las bei Herrn Dahlke: Man findet die Mitte auf die schmerzhafte Art, wenn man nur in einen Pol drängt und dann zum anderen Pol geschleudert wird.

 

Ich empfehle den einfachen Weg, unseren Taekwondoin den Zugang zur Mitte über gutes Atmen (Stimme) zu öffnen.

Ein Atemzug zeigt uns das Gesetz unserer Welt.

Ein Kampfschrei mit Vorwärtsstellung und Fausttechnik kann uns den gesamten Verlauf unseres Lebens verdeutlichen.

 

Und dieses unser Leben folgt dem Gesetz der Welt.

 

Hans Jürgen Sobota   11.96  Stand 8.2005   4 Seiten,  Lehrschrift Nr. 11

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

 

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