Grundlagenwissen TAEKWON-DO Schrift Nr. 8   von Hans Jürgen Sobota für

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

Zurück zu Lehrunterlagen

 

INFORMATIONEN ZU FORMEN und Formenwettkämpfen

 

Seite

 

INHALT

1

 

Erläuterung zu den Formen

3

 

Was ist eine Hyong und was bedeuten die Hyong

4

 

Was ist eine Poomse und was bedeuten die Poomse

5

 

Allgemeines zum Formenwettkampf

5

 

Etikette vor und nach dem Laufen einer Form

6

 

Bewertung ­ Bewertungsschlüssel

6

 

Erklärung Fremdwörter

 

 

ERLÄUTERUNG ZU DEN FORMEN

 

Formen sind ein meist in Diagrammform festgelegter Ablauf von Angriffs- und Verteidigungstechniken. 

 

Folgende Formensysteme werden zur Zeit (letzte Änderung Nov. 1996) hauptsächlich in Deutschland gelehrt :

 

v    Im Bereich der kleineren Verbände Deutscher Taekwondo Bund DTB,  Traditioneller Taekwondoverband TTV,  Kwon Jae-Hwa, zahllosen Einzelvereinen und Sportschulen werden entweder die ursprünglich 20 Hyong des Generals Choi Hong Hi  bzw., nach Entwicklung weiterer vier Formen 1972 bis 1974, die 24 Hyong des Generals Choi Hong Hi (mit veränderter Reihenfolge) gelehrt.

 

v    Im Bereich der Deutschen Taekwondo Union DTU werden in den angeschlossenen Vereinen und Sportschulen seit 1995 nur die 17 Poomse der Südkoreaner (WTF) gelaufen (Andere Kommando-Sprache, andere Ausholtechniken, usw.). Vorher waren Hyong und Poomse in der DTU gleichberechtigt. Auf Verlangen der WTF dürfen ab 1996 keine Hyong mehr für Prüfungen und Wettkampf gelehrt werden.

 

v    Im Bereich der Deutschen Internationalen Taekwondo Förderation D-ITF werden in den angeschlossenen Vereinen und Sportschulen die 24 Tul des Generals Choi Hong Hi und seiner ITF gelaufen.

Diese sind von den Namen, Techniken und Diagrammen, bis auf einige Ausnahmen, mit den 24 Hyong identisch werden aber mit anderen Bewegungsrhythmen (d.h. nach anderen Bewegungsprinzipien) und mit anderer Atemtechnik gelaufen

 

Dazu kommen inzwischen drei unterschiedliche koreanische Taekwondo-Fachsprachen und unterschiedliche Zielsetzungen was Taekwondo ist und was man damit erreichen will.

 

Siehe hierzu auch meine Ausarbeitung : GW02 TKD  "Entwicklung des Taekwondo".

 

Die Hyong wird anders als Tul oder Poomse gelaufen.

 

Es zählt in der Reihenfolge:

 

1. Der sichtbare kontrollierte Kampfeswille, auch am Wechsel zwischen Abwehr und Angriffsaktionen zu erkennen. Oder z.B. bei Fußstößen: Nach dem blitzschnellen Tritt wird der Fuß, ohne stehen lassen nach dem Brennpunkt, wie im Ernstfall, blitzschnell zurückgezogen (Handtechniken entsprechend). Ehrlich gesagt, ich kann dies besser zeigen als beschreiben.

 

2. Die saubere Technik: z.B. bei harter Technik kein Nachzittern,  Einhaltung der Aktions-Höhen,  Zielpunkte, usw.

 

3. Und dann erst die Schönheit des Vortrages, also das Zuschaustellen.

 

Übrigens sieht eine Hyong schon grandios aus, wenn man nur die Kriterien von Punkt 1 und 2 beachtet. Punkt 3 kann man sich sparen, das Schöne ergibt sich vom Selbst.

 

Das in Deutschland hauptsächlich drei Arten von Taekwondo-Formen gelaufen werden erklärt sich aus der Entwicklungsgeschichte des heutigen Taekwondo:

 

Hierzu ein ungekürzter Auszug aus dem Brief  eines „alten“ Taekwondolehrers vom 23.1.96 den ich um Rat fragte:

 

Sehr geehrter Herr Sobota,

_......................._ als erstes möchte ich auf Ihr Grundlagenwissen TAEKWON-DO, sprich die  "ENTWICKLUNG DES HEUTIGEN TAEKWON-DO" eingehen.

Die Jahreszahlen die Sie nennen sind mir, bis auf eine Abweichung auch so bekannt.

Choi Hong-Hi ging meines Wissens nach 1938 nach Japan und lernte dort Karate-Do.

Er lernte sowohl Shorei- als auch Shorin-Ryu-Karate-Do (beides sind die ursprünglichen Stilrichtungen aus Okinawa). Taekyon lernte Choi Hong-Hi schon in früher Jugend von seinen Kaligraphielehrer Dong Han-Il.

 

Doch ich glaube die Jahreszahlen sind bei weitem nicht so wichtig wie Ihre Zusammenfassung am Schluß. Man muß sich vor Augen (und natürlich allen Schülern) halten, daß Taekwon-Do die einzige Kampfkunst ist, die durch wirklich schmutzige Politik des südkoreanischen Staates maßgeblich beeinflußt wird.

 

Leider ist es für mich und meine Schüler gleichermaßen schlimm, wie sich Taekwon-Do in beiden Weltverbänden entwickelt hat. Das ganze TKD ist zum Wettkampfsport degradiert worden. Die ursprünglichen Techniken und Werte sind verfälscht oder ganz verschwunden und das auch noch durch die Koreaner selbst.

 

Zur geschichtlichen Entwicklung muß man meines Erachtens aber auch noch sehen das es vor den Initiativen des Choi Hong-Hi einen anderen Meister der Kampfkünste gegeben hat den Choi und seine Verbündeten in den späten 50er Jahren aus dem Land verwiesen hat. Dieser Großmeister ist Kwang Ki. Er war es der während der jap. Besatzung TANG S00 DO betrieb und hunderte von Schülern hatte. Er hatte auch die erste Schule in Seoul (1947) die Tang Soo Do betrieb. Tang Soo Do ist chinesisch und Taekwon-Do altkoreanisch, beide haben auf deutsch die gleiche Bedeutung. Kwang Ki änderte schon früh den Namen der Kunst auf Soo-Bak Do und betrieb unter diesen Namen seinen Verband in Korea.

Auch als Choi Hong-Hi (zwangsweise) alle Meister der Kampfkünste im TAE-SOO-DO Verband vereinigte spielte hier Kwang Ki nicht mit, er beharrte auf seiner Stilrichtung. Sein Stil basierte auf dem Tang-Soo-Do, das vom chinesischen Einfluß geprägt war, hier findet sich auch die alte Formenschule wieder, wie sie auf Okinawa bekannt wurde und im Okinawa-Te in den zwei Urstilen des Karate-Do einging.

Als 1955 Choi Hong-Hi für seine Kunst einen Namen fand (Taekwon-Do) wurde es für Kwang Ki in Korea unerträglich, er musste sich entscheiden mitzumachen oder zu gehen. Er ging und zwar in die USA. Dort hat er den TangSoo DO Weltverband in jahrzentelanger Arbeit aufgebaut. Heute über 90 Jahre alt, unterichtet er immer noch aktiv in seinen gegebenen Grenzen Schüler in Tang-Soo Do sprich Soo-Bak Do. Dieser Stil ist dem Taekwon-Do gleich, außer der Formenschule.

Kwang Ki war schon in frühen Jahren in Korea ein hochangesehener Meister der Kampfkünste, doch gegen die allmächtige Lobby des Genereal Choi Hong Hi konnte er nicht ankommen. Von Kwang-Ki gibt es einige sehr gute Bücher, die seinen Stil genauestens erklären. Diese sind in den USA erhältlich.

Man sieht also, auch hier hat es schon Streit gegeben in Korea. Diese Informationen habe ich aus Büchern die es leider nur in den USA gibt. Dort geht man sowieso viel lockerer mit Verbänden um und die Geschichte um diese wird objektiver erzählt, als in deutschen oder koreanischen Büchern.

 

Nun zu Ihrer Prüfungsordnung (PO). Ihre PO gleicht von den Anforderungen her der meinen, die ich Ihnen beigelegt habe. Sie haben diese Ordnung sehr detailliert ausgearbeitet und sich so eine bestimmte Vorgehensweise im Unterricht gegeben. Dies ist gut und sinnvoll. Was mir persönlich nicht gefällt, daß Sie von zweimal wöchentlichen Training ausgehen. Mir erscheint schon dreimal wöchentlich zu wenig für eine Kampfkunst wie Taekwon-Do.

 

Anhand der Reihenfolge der Hyongs konnte ich erkennen*, daß Sie sich hier an der ITF orientieren. Dies tue ich nicht.

Ich gehe von den 20 traditionellen Taekwon-Do Hyongs aus die es bis 1972 gab.

Die vier Hyongs (Eui-Am, So-San, Yon-Gae und Mun-Mu) die Choi Hong-Hi in der Zeit von 1972 - 1974 schuf waren von ihm zurechtgelegt für seine 24 Stunden-Philosophie und auf seine  persönlichen Belange ausgerichtet. In den frühen 80er Jahren hat er so auch "Ko-Dang Hyong" fallengelassen und dafür "Ju-Che Hyong" eingesetzt, dies zu Ehren des Nordkoreanischen Staatspräsidenten.

Die ITF-D läuft ihre Formen (Tul) unter einen anderen Aspekt. Nicht der Kampf in der Form und der ersichtliche Kampfeswille der in der vorgetragenen Form zu Tage treten soll ist wichtig, sondern die exakte Einzeltechnik **ist zum einzigen Kriterium geworden.

Ich war mit Sportkameraden 1995 auf einem Lehrgang der ITF-D. Dort waren Herr Harry Vones (ein sehr guter Techniker) und Herr Paul Weiler (1. Vorstand der ITF-D) und trugen Ihr Taekwon-Do vor. Es hatte mit traditionellen Taekwon-Do nichts mehr gemein. Sehr gestört haben die veränderten Bewegungsabläufe in den Formen, sowie die andere Bewegungsführung der Technik.

 

* Anmerkung Sobota : Ich wußte es zu dem Zeitpunkt nicht besser, da ich von Trainern der NWTU / DTU / WTF ausgebildet wurde.

** Anmerkung Sobota: Bei der ITF gibt es allerdings keine exakten Zielpunkte.

 

Soweit die Ausführungen eines „alten Taekwondomeisters“, die sich mit meinen Untersuchungen decken und mir auch neue Detailkenntnisse vermittelt haben.  

 

Hans Jürgen Sobota   1.92 Stand 11.2004   6 Seiten, Seite 1+2 Schrift Nr. 8

Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V.

 

nach oben

Zurück zu Lehrunterlagen